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    08
Wie schön blüht uns der Maien,
der Winter fährt dahin.
Mir ist ein schöns Jungfräulein
gefallen in meinen Sinn.
Bei ihr, da wär ich wohl,
wenn ich nur an sie denke,
mein Herz ist freudenvoll.

Bei ihr, da wär ich gerne,
bei ihr, da wärs mir wohl.
Sie ist mein Morgensterne,
strahlt mir ins Herz so voll.
Sie hat einen roten Mund,
sollt ich sie drauf küssen,
mein Herz würd mir gesund.

Wollt Gott, ich fänd im Garten
drei Rosen auf einem Zweig.
Ich wollte auf sie warten,
ein Zeichen wär mir's gleich.
Das Morgenrot ist weit,
es streut schon seine Rosen:
Ade, du schöne Maid.

Volkslied
 
    09
Liebesprobe

Es sah eine Linde ins tiefe Tal,
War unten breit und oben schmal,
Worunter zwey Verliebte saßen,
Vor Lieb' ihr Leid vergaßen.

»Feins Liebchen wir müssen von einander,
Ich muß noch sieben Jahre wandern;«
»Mußt du noch sieben Jahr wandern,
So heurath ich mir keinen andern.«

Und als nun die sieben Jahr um waren,
Flocht sie Seiden in ihr Haar;
(Sie meinte ihr Liebchen käme bald,)
Sie ging wohl in den Garten,
Ihr feines Liebchen zu erwarten.

Sie ging wohl in das grüne Holz,
Da kam ein Reiter geritten stolz;
»Gott grüße dich Mägdlein feine,
Was machst du hier alleine.

Ist dir dein Vater oder Mutter gram,
Oder hast du heimlich einen Mann?«
»Mein Vater und Mutter sind mir nicht gram,
Ich hab' auch heimlich keinen Mann.

Gestern wars drey Wochen über sieben Jahr,
Da mein feines Liebchen ausgewandert war.«
»Gestern bin ich geritten durch eine Stadt,
Da dein feins Liebchen hat Hochzeit gehabt.
 
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