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Klage

Es schreit mein G'müt und Herze
In bittrer Liebesklag,
In wehmütigem Schmerze,
Niemand mich trösten mag.
Nun freut mich weder Gut noch Ehr,
Seit dass ich hab verloren,
Was ich find nimmermehr.

Die Ehrenreiche, Gute,
Die schön, zart, adelich,
Die treu und wohlgemute,
Welche erfreuet mich,
Freundlich holdselig alle Zeit,
Die mir nahm aus dem Herzen
All Sorg und Traurigkeit.

Weil ich die nit mehr habe,
So ist trostlos mein Herz,
All Hoffnung liegt im Grabe,
In Traurigkeit und Schmerz
Wachet mein' Seele Tag und Nacht,
Darein mich das Abscheiden
Der Herzensliebsten bracht.
 
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Du Kron ob allen Frauen,
Nun ich ganz elend bin;
Zu dir stund all mein Trauen.
Weil du bist von mir hin
Und nimmerher kummest zu mir,
So hoff ich kurzer Stunde,
Ich werde fahren zu dir.

Da wir dann ungeschieden
Leben in Gottes Reich,
In Jubel, Freud und Frieden
den lieben Engeln gleich,
In himmlisch ewiger Ruh.
Dess begehr ich von Herzen,
Mein Einzigliebste du.

Hans Sachs
 
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