Aus der Halbmonatszeitschrift "Natur und Technik". Erstes Dezemberheft 1947.
Für alle Freunde der Wissenschaft-Forschung und Praxis, Wedding-Verlag Berlin
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Der kleine "Champion" ZWEISITZER UND LEICHTTRANSPORTAUTO FÜR DEN NAHVERKEHR
Daß die Fachleute ernstlich bemüht sind, die Verkehrs- und Transportnöte durch Schaffung eines den Nachkriegsverhältnissen angepaßten Kleinstkraftfahrzeugs zu mildern, wird erneut durch die jüngste Schöpfung eines süddeutschen Automobil-Ingenieurs bewiesen.
170 kg Gesamtgewicht - das kann, auch wenn er keine besonderen Qualitäten im Gewichtsheben besitzt, ein Mann zur Not immer noch vom Boden bekommen, um den Wagenheber zu sparen.Sein während der Sommermonate 1947 in ausgedehnten Erprobungsfahrten bewährter "Champion"-Zweisitzer soll für den Stadt- und Vorortverkehr ein wirklich leistungs- und strapazierfähiges Fahrzeug werden und ist als "Uberbrückungslösung" für die Zeitspanne bis zum Wiederanlaufen einer Serienerzeugung "normaler" Kraftfahrzeuge gedacht.
Überall, wo er auftaucht, erregt der "Champion"-Kleinstwagen Aufsehen und Bewunderung.
In bewußter Konstruktionsangleichung an die Nachkriegs-Notlage soll die Herstellung dieses Kleinstautos, das mit verändertem Aufbau auch als Kleinst-Lieferwagen für maximal 100 kg Ladegewicht geplant ist, keinerlei ganz spezialisierte Werkzeugmaschinen (wie Automaten Pressen, Stanzen) und auch sonst keine Spezialbearbeitungswerkzeuge erfordern. Sein Schöpfer hat es sich - wie betont wird - bei der konstruktiven Durchbildung außerdem zum Prinzip gemacht, ausschließlich mit beschaffbaren Materialien und Aggregaten auszukommen. Die Gesamtidee des Wagens stellt zweifellos eine glatte Abkehr von der etwa um 1924 üblich gewesenen Kleinauto-Bauweise dar, die mehr oder weniger in einer maßstäblichen Verkleinerung großer Kraftfahrzeuge bestand. So präsentiert sich der "Champion" — wenn er hält, was man sich von ihm verspricht — als eine nach den modernsten autotechnischen Konstruktionserfahrungen zur Reife entwickelte "Fahrmaschine".
Die Rückansicht zeigt den außenmontierten 200-ccm Ilo-Heckmotor mit dem 5 Liter fassenden Tank.
Der nur 170 kg wiegende Zweisitzer wird durch einen luftgekühlten 200-cm-Heckmotor von 5 PS über ein angeblocktes Zweigangsgetriebe mit Stahlkegelkupplung angetrieben. Bei 4,5 Liter Brennstoffverbrauch auf 100 km reicht die Füllung des 5-Liter-Tanks also für 110 km Fahrstrecke aus. Zwei auf die Hinterräder wirkende Bandbremsen mit Hebelausgleich, Zahnstangenlenkung, Torsionsstabfederung für alle vier unabhängig voneinander aufgehängten Drahtspeichenräder, die mit 19x3-Zoll-Reifen ausgerüstet sind, umlegbare Leichtbausitze, abnehmbares Lenkrad, sowie ein im aufklappbaren Karosseriebug angeordneter kleiner Gepäckraum sind die weiteren Merkmale dieses neuen Kleinstautos, das mit 2 Personen besetzt auf der Ebene maximal 50 km/Std läuft und alle praktisch vorkommenden Steigungen nimmt, ohne "aus der Puste" zu kommen.
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