Notizen aus Landsberg - Landsberger Heimatblatt 1991 Nr. 3 S.30, 31 + 39
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Notizen aus Landsberg
von Werner Siebke

Seit den Frühsommer verkehrt auf der Warthe ein Ausflugsschiff für etwa 200 Personen zwischen Landsberg und Zantoch. Abfahrt in Landsberg jeweils 11 und 17 Uhr, sonntags zusätzlich um 14 Uhr. Die Fahrt dauert hin und zurück etwa 2 1/2 Stunden mit einem halbstündigen Aufenthalt unterhalb der Netzebrücke in Zantoch. An Bord befindet sich ein ansehnliches Büfett für Getränke und bei Anmeldung für kleine Imbisse. Der Schiffsführer ist alten Landsbergem sehr aufgeschlossen, der Maschinist spricht als Dolmetscher fließend Deutsch. Eine Fahrt mit dem Motorschiff ist zu empfehlen. Der Fahrpreis beträgt etwa 3,50 DM hin und zurück!

Das alte Wartheufer mausert sich Zu einer Promenade. Leider ist die Gestaltung der Anlagen noch nicht vollendet, so daß das Gelände noch abgesperrt ist und man sich den Zugang zum Ausflugsschiff unterhalb der Warthebrücke erst suchen muß.

Das Museum in der Zechower Straße wartet mit einer neuen Abteilung auf. In einem Raum im 1. Stock wird eine ansehnliche Uhrensammlung gezeigt: von alten Wanduhren und Regulatoren über Tischuhren bis zu zahlreichen Taschenuhren kann man sehen, wie früher die Zeit angezeigt wurde. Dieses Museum in der alten Schröder'sehen Villa sollte man unbedingt besuchen!

Im Museum im alten Speicher an der Warthe wurde die zeitgeschichtliche Darstellung unserer Heimat der heutigen Lesart und Wirklichkeit angepaßt. Alle bis vor kurzem befohlenen Darstellungen der Ereignisse nach 1945 wurden entfernt und hinsichtlich ihres Wahrheitsgehaltes aufgearbeitet. Man nimmt zur Kenntnis, daß Landsberg niemals vorher unter polnischer Hoheit gestanden hat! ! ! In den Obergeschossen ist eine Ausstellung moderner Kunst mit Gemälden und Arbeiten polnischer Künstler untergebracht.

Die Krajowa Agencja Wydawnicza - Szczecin hat einen ansehnlichen Bildband über Landsberg und Umgebung herausgebracht. Mit über 200 Farbfotos wird über die Schönheit unserer alten Heimat berichtet. Allein etwa 70 Fotos zeigen Landsberg, so wie es sich heute darstellt.

Maßgebende Kreise im heutigen Gorzow bemühen sich, die jüngste Vergangenheit aufzuarbeiten. Seit längerer Zeit erscheinen wöchentlich Artikel in der örtlichen Presse, die vom Landsberg vor den einschneidenden Veränderungen im Jahre 1945/46 berichten. Der Verfasser ist der Leiter der Wojwodschaftsmuseen in Gorzow, Herr Linkowski. Neben den Bemühungen, den polnischen Straßenschildern auch die alten deutschen Namen hinzuzufügen, ist geplant, die Straßen einer neuen Trabantensiedlung nach verdienten Landsbergem aus der Zeit vor 1945 zu benennen. Außerden plant man, das alte Wahrzeichen Landsbergs, den Pauckschbrunnen, wieder in den alten Zustand mit Repliken der Bronzenen Brunnenmarie und der anderen Figuren zu setzen. Leider fehlt hierzu noch das Geld! Dies nach Aussage des Herrn Linkowski.

Die ehemalige Lutherkirche in der Brückenvorstadt war nach der Umwidmung auf den katholischen Glauben nach 1945 nur mit einen provisorischen Altar ausgestattet. Jetzt erhält die Kirche einen neuen Altar aus Marmor. Das Gestühl neben dem Altar ist in heller Eiche ausgeführt und reich geschnitzt. Der neue Altar ist Anfang Oktober eingeweiht worden. Der uns allen verbundene Pfarrer Buchalik der Kirche lädt alle alten Landsberger Besucher zu einer Messe oder zu einem besinnlichen Verweilen ein.

In einer Kiesgrube abseits der Soldiner Straße hat man in letzter Zeit die Gebeine gewaltsam Getöteter gefunden, die vor oder nach dem Einmarsch der Russen durch Kopfschuß ermordet wurden. Die Tötungsdelikte kann man noch nicht zuordnen und weiß nicht, ob sie von der Gestapo, den Russen oder den Polen verursacht wurden. Wer von den alten Landsbergem weiß, ob und von wem in einer Kiesgrube östlich des Stadions an der Soldiner Straße Erschießungen durchgeführt wurden? Erkenntnisse werde ich ggf. an interessierte Stellen in Gorzow weitergeben.

Das Museum in Landsberg gibt seit neuestem jährlich eine Bronze-Plakette zu Ehren verdienter Bürger aus dem Landsberger Raum heraus. Die Ausgabe ist mit 50 Stück limitiert und dient als Ehrengabe bei öffentlichen Anlässen. Die diesjährige Plakette ist einem Jan Deckert gewidmet, der als Sohn einer deutschen Kaufmannsfamilie 1738 in Bleesen geboren und 1790 in Warschau gestorben ist. Dieser Jan Deckert war Präsident der Stadt Warschau und Mitverfasser der ersten demokratischen Verfassung in Polen. Die Ausgabe erfolgte anläßlich des 200. Jubiläums der Verfassung am 3. Mai 1991. Eine Plakette erhielt das Heimatmuseum in Herford. Sie ist dort ausgestellt.

Eine Reise in die alte Heimat auf der Landstraße wird immer einfacher. Benötigt wird lediglich ein gültiger Reisepaß. Der Grenzübergang in Frankfurt ist problemlos. Die Straßen im Bereich Landsbergs sind durchweg gut. Der Verkehr außerhalb der Stadt ist gering. Unterkunft im Hotel Mieszko in der Heinersdorfer Straße steht reichlich zur Verfügung und ist preiswert. Man spricht deutsch. Sogar die Speisekarte trägt bei den einzelnen Gerichten deutsche Untertitel! Weitere Speisegaststätten bieten sich in der Stadt an. Bei eventuellen Schwierigkeiten sollte man sich an Pfarrer Buchalik in der ehemaligen Wachsbleiche (frühere Lutherkirche) in der Brückenvorstadt wenden. Seine Telefon Nr. ist 227-40. Er hilft weiter und vor allem - er spricht deutsch! Ansonsten bin ich selbst für Beratungen und Hilfestellung bei Reisen nach Landsberg jederzeit bereit.

Werner Siebke, Talstr. 16a, W-3250 Hameln Tel: 051 51/669 32

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Erstellt am 14.10.2016 - Letzte Änderung am 14.10.2016.